118 Jahre Elektrizitätswerk Kappelrodeck 1894 – 2012

Die Brüder Robert und Gustav Ziegler waren mit ihren Familien Ende des 19. Jahrhunderts von Württemberg in den Badischen Schwarzwald nach Oberachern zugewandert und hatten ihre Wattefabrik hierher ins Achertal verlegt. Als Robert den Plan faßte, das Achertal mit elektrischem Strom zu versorgen, rief er seinen Bruder Gustav, der in einer Baumwollspinnerei in Amerika arbeitete, in die Heimat zurück.

 

Gemeinsam erwarben die Gebrüder Ziegler im Ortsteil Venedig eine alte Hammerschmiede vom damaligen Besitzer Hammerschmiedemeister Schön aus Schramberg, um diese zur Stromerzeugung umzubauen. Eine Dynamomaschine von 110 Volt Gleichstrom, die durch das Wasserrrad der ehemaligen Hammerschmiede zuerst provisorisch angetrieben wurde, war an Ostern 1894 die Geburtsstunde des heutigen Elektroversorgungs-unternehmen Ziegler in Kappelrodeck. Es wird seither bereits in der vierten Generation durch den Urenkel des Firmengründers Gustav Ziegler, der Familie Thomas Ludwig, im Privatbesitz geführt. Kurze Zeit später anno 1895/1896 baute man in der ehemaligen Hammerschmiede eine Turbinenanlage ein. Die vorhandene Wasserkraft der Loh- und Schleifmühle, sowie der Hammerschmiede gaben zusammen ein Wassergefälle von 2,50 m am Gewerbekanal Venedig. Nach Fertigstellung des Freileitungsnetzes für Licht- und Kraftabgabe wurde das heutige Elektrizitätswerk in Kappelrodeck in Betrieb genommen. Auch die Nachbargemeinde Waldulm wurde vom Kappler Werk nach und nach mit Elektrizität erschlossen. 

 

Mit dieser Stromerzeugungsanlage – Wasserrad und Dynamomaschine – wurde zuerst das damalige Kappelrodecker Rathaus, die Brauerei Rebstock und der Gasthof Adler, sowie eine Straßenlampe vor dem Rathaus elektrisch beleuchtet, um somit gleichzeitig den Einwohnern von Kappelrodeck und weiteren Ortschaften des Achertals diese neuartige und damals sensationelle Lichtquelle zu zeigen.

 

Erst später, im Jahre 1898, kam auch aus der Nachbarstadt Achern Elektrizität ins Tal. Eine Niederlassung der Rheinischen-Elektrizitäts-Aktiengesellschaft mit Sitz in Mannheim, der heutigen SÜWAG, brachte den notwendigen Strom nach Furschenbach, einer taleinwärtsliegenden Nachbargemeinde. Dort galt es den größer gewordenen Kraftbedarf eines dortigen Steinbruchbetriebes zu decken, den ein so kleines Stromerzeugungswerk wie das in Kappelrodeck und später auch in der Nachbargemeinde Ottenhöfen nicht hergeben konnte. Zu jener Zeit in der Jahrhundertwende, als die elektrische Glühbirne erfunden und Röntgenstrahlen entdeckt wurden und auch die Hamburgischen Elektrizitätswerke (HEW 1894) gegründet wurden, brannte man in den Häusern, Werkstätten und Stallungen in unserem Raum Petroleum oder den Holzspan, der in einem Halter steckte und unangenehmen Rauch entwickelte.

 

Es war für die damaligen Zeitgenossen Gustav Zieglers sicherlich ein bedeutsamer Augenblick und man war zuerst auch skeptisch gegnüber dieser neuartigen Lichtquelle. Aber im Laufe der folgenden Jahre sprachen sich die Annehmlichkeiten und auch die Wirtschaftlichkeit des elektrischen Lichtes bei der Bevölkerung immer mehr herum und als mit den fortschreitenden Erfindungen von Maschinen, vor allem für das Handwerk und die Landwirtschaft , der Strom auch als Kraftquelle immer begehrter wurde. Selbst die einzeln stehenden Höfe an den Hängen des Achertals waren nun um das Jahr 1915 fast alle an das Gleichstromversorgungs-netz mit 110 Volt Spannung angeschlossen. 1926/1927 erfolgte schließlich die Umstellung von 110 auf 220 Volt Gleichstrom und in den Jahren 1928/1929 wurden zwei Junkers-Schiffsdiesel-Motoren mit 50 bzw. 120 PS im Werksgebäude zur Ergänzung der Wasserkraft und unabhängigen Selbstversorgung des Kappler E-Werks montiert und in Betrieb genommen. 1941 erfolgte der Wiederanschluß des E-Werk Ziegler an die größere SÜWAG in Achern mittels einer 220 Volt Gleichstromeinspeisung über Freileitung am Werksgebäude.

 

Als dies durch die fortschreitende Elektrifizierung im Versorgungsbereich des E-Werk Ziegler in Kappelrodeck und Waldulm nicht mehr ausreichte, wurde im Laufe der kommenden Jahre ab 1953 bis heute die Stromversorgung laufend ausgebaut und erweitert. Das aufgebaute Ortsnetz in Waldulm wurde 1958 wegen der zu hohen Investitionskosten des Umbaus (Verstärkung/ Umstellung von Gleich- auf Wechselstrom) an das damalige Überlandwerk Achern – heute SYNA – verkauft.

1959 wurden zwei neue Francis – Schachtturbinen mit einer Leistung von 22 und 44 PS im Werksgebäude am Gewerbekanal mit einem Nutzungsgefälle von 3,70 m Höhe eingebaut und in Betreib genommen. Der hiermit selbsterzeugte Strom von jährlich ca. 200 000 kWh wird in das bestehende Leitungsnetz eingespeist und der überwiegende restliche Strombedarf wird von der SÜWAG in Achern bezogen und mit dem werkseigenen Stromnetz an die Endverbraucher verteilt.

 

1934 eröffnete die Firma Ziegler beim heutigen Sitz im Venedig ein Ladengeschäft mit dem Verkauf von Elektroartikeln und Leuchten. Dieses wurde dann 1970 vergrößert und als Filialbetrieb am Marktplatz in Kappelrodeck weitergeführt, bis zu einem eigenen Ladenneubau 1983 an der Hauptstraße mit einer gesamten Verkaufsfläche von ca. 600 qm über mehrere Etagen. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde aber das Elektro- Einzelhandelsfachgeschäft im April 1995 unter eigener Regie aufgegeben.

 

Die Firma Elektrizitätswerk Ziegler Kappelrodeck betreibt gleichzeitig einen Elektrofachbetrieb mit modernen Elektroinstallationen, Elektroheizungen und Gabäudesystemtechnik und beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter und zwei Auszubildende.

 

Bis heute wurden im „EW“ insgesamt 53 Mitarbeiter im technischen wie auch im kaufmännischen Bereich mit Erfolg ausgebildet.

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